Gericht: Stehpinkeln gehört zum vertragsmäßigen Gebrauch einer Mietwohnung

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Männer pinkeln im Stehen – im Eigenheim kein Problem, so lange es keinen Ärger mit der Frau gibt. Wie aber sieht es in einer Mietwohnung aus? Wer haftet für eventuelle Schäden, die durch Urinspritzer auf dem Fußboden verursacht wurden?

Das Amtsgericht Düsseldorf hatte jüngst einen Fall, der für Männer, die in einer Mietwohnung leben, sicherlich interessant ist.

Sachverhalt

Ein Vermieter wollte 1.900 EUR von der Mietkaution in Höhe von 3.000 EUR einbehalten, da der Marmorfußboden in der Toilette abgestumpft war. Als Grund dafür vermutete er Urinspritzer auf dem Fußboden, verursacht durch Pinkeln im Stehen. Diese Gefahr für empfindliche Fußböden ist den meisten „Stehpinklern“ allerdings nicht bekannt.

Der Mieter klagte gegen das Einbehalten der Kaution und ein vom Gericht bestellter Sachverständiger bestätigte den Verdacht des Vermieters: Der Fußboden wurde tatsächlich durch Urinspritzer beschädigt.

Entscheidunug des Gerichts

Richter Stefan Hank konnte nachvollziehen, dass der Vermieter verärgert reagiert hat. Dennoch fällte er das Urteil zu Gunsten des Mieters. Es sei weithin bekannt, dass Männer nach wie vor häufig im Stehen urinieren und dass dadurch neben Ärger mit insbesondere weiblichen Mitbewohnern auch Spritzer auf dem Boden entstehen können.

Das „Stehpinkeln“ gehört laut Gerichtsurteil zum vertragsmäßigen Gebrauch einer (Miet-)Wohnung. Wenn der Fußboden im Bad bzw. in der Toilette so empfindlich ist, dass er dadurch zu Schaden kommt, ist es die Pflicht des Vermieters, den Mieter darauf hinzuweisen.

Urteilsbegründung

Die wörtliche Begründung im Gerichtsurteil (Az. 42 c 10583/14 vom 20.01.2015) lautet:
„Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen.“