Eigenbedarfskündigung von 99-jähriger Mieterin unzulässig

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Einem hochbetagtem Mieter, welcher seit mehreren Jahrzehnten in derselben Wohnung lebt, darf nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt werden. So lautet der Tenor eines Urteils vom Landgericht Bonn (LG).
Die Richer machten mit ihrer am 08.10.2010 ergangenen Entscheidung deutlich, dass sich der Mieter auf den besonderen Härtegrund im Sinne des § 574 BGB berufen könne (Az.: 6 S 130/10).


Im Rechtsstreit sprach der Vermieter seiner 99-jährigen Mieterin die Eigenbedarfskündigung aus. Die Frau hatte bis zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre in der Wohnung gelebt. Dieses Vorgehen ist nach Ansicht des LG jedoch nicht mit der Rechtsordnung vereinbar.

Laut Urteilsbegründung stelle allein der Umstand, dass die betagte Dame nach 39 Jahren aus der ihr bekannten Wohnsituation herausgerissen würde, eine unzumutbare Härte gemäß § 574 BGB dar. Grund hiefür sei die altersbedingte Einbuße an Flexibilität sowie die verminderte Fähigkeit, sich einer neuen Situationen anzupassen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung wären derlei Menschen so mit der Wohngegend verwurzelt, dass ein Umzug als unzumutbar bezeichnet werden muss.